WIE KÖNNEN WIR MIT KLIMAWANDEL UMGEHEN?, Expertenvortrag von Prof.T.Heimer vom Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung (Mo., 04.05.2026)

WIE KÖNNEN WIR MIT KLIMAWANDEL UMGEHEN? Unter diesem Titel führte mit Prof. Thomas Heimer an Tag 2 des Dienstantritts der neuen LiV in die Thematik „Als Expertin und Experte über Klimaschutz sprechen“ ein.

Thomas Heimer war von 2020-2025 als Mitglied des Expertenrats für Klimafragen der Bundesregierung tätig und hat mit daran gearbeitet, den verschiedenen in den Bundesregierungen unter Kanzlerin Merkel und Kanzler Scholz vertretenen Parteien zurückzumelden, wie erfolgreich sie die notwendigen Transformationen voranbringen.

Auch Thomas Heimer nahm die Broschüre „Impulse für Klimagespräche“ des Klimarats mit nach Hause.

Die neuen Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst standen an Tag 2 vor der Herausforderung, ein Klimagespräch mit einer 8.Klasse zu planen und dann zu simulieren. Bei der Vorbereitung hatten sie dank Prof. Heimer Gelegenheit, einen ausgewiesenen Experten dabei zu beobachten, wie er als Experte über Klima spricht.

Prof. Thomas Heimers Aufgabe war es, als Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung deren Projektionsdaten der erwarteten Treibhausgasemissionen zu überprüfen. Damit war er von 2020 bis 2025 ganze fünf Jahre lang in engem Kontakt mit den Entscheidungstragenden, die dafür verantwortlich sind, dass die Pariser Klimaziele eingehalten werde, zu denen sich schon die große Koalition unter Angela Merkel durch das 1. Klimaschutzgesetz verpflichtet hatte.

Und genau um die Entscheidungstragenden sollte es in wirksamer Klimabildung stehen, denn nicht die Kinder sind in erster Linie als Verantwortliche zu adressieren, sondern diejenigen, die in Politik, Verwaltung, Medien und Bildung die großen Hebel für Transformationsprozesse wirklich „in der Hand“ haben.

„Dem Bundeskanzler Olaf Scholz habe ich vor einiger Zeit mal gesagt: ‚Ihren Kindern würden Sie ja auch nicht empfehlen, putzt Eure Zähne nicht, es gibt gute Zahn-Implantate‘. Denn Klimaschutz als Prävention ist immer besser und billiger als das Reparieren von teuren Klimaschäden.“

Prof. Heimer verwies zunächst darauf, dass die Klimakrise nicht fühlbar ist:

„Legen Sie sich in eine Badewanne und stellen Sie sie 1,5% wärmer. Sie werden den Unterschied nicht merken. Denn die Klimakrise führt nicht zu einer gleichmäßigen leichten Erwärmung, sondern zu radikalen Ausschlägen von Extremwetterereignissen. Das aber ist schwer zu vermitteln und schwer zu verstehen.“

Wenn wir aber auf die Messdaten schauen, dann wird klar, dass die Klimaerhitzung real und gefährlich ist:

Dann erläuterte er den gesetzlichen Rahmen, in dem sich seine und auch alle anderen Gespräche über Klima bewegen müssen:

Das Klimaschutzgesetz verpflichtet bis heute jede (!) Bundesregierung dazu, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65% und bis 2040 um 88% zu reduzieren. Klimaneutralität soll in Deutschland spätestens 2045 erreicht sein (im Vergleich: EU 2050, China 2060). Ab 2050 sollen dann Minus-Emissionen erzeugt werden, also CO2 wieder aus der Atmosphäre entnommen werden. Um nachzuweisen, dass diese gesetzlich vorgeschriebenen Ziele auch erreicht werden, muss jede Regierung einen Klimaschutzprogramm vorlegen.

Der Expertenrat überwacht die Emissionsentwicklung, indem er prüft, ob die Projektionsdaten richtig gerechnet sind:

Dabei zeigte sich, dass drei Sektoren ein großes Problem darstellen, denn der Verkehrs- und der Gebäudesektor sparen nicht genug ein und die Wälder und die Natur kann ihre Funktion als CO2 – Speicher nicht erfüllen. Anstatt zu speichern, emittiert der deutsche Wald CO2 (hier als LULUCF-Sektor bezeichnet).

Der LULUCF-Sektor erfasst die Aufnahme und Abgabe von CO₂ durch Wälder, Ackerflächen, Grünland, Feuchtgebiete und Siedlungen. 

Das von der Merz-Regierung vorgelegte Klimaschutzprogramm wird übrigens vom Expertenrat am 18.Mai 2026 beurteilt werden.

Das Ergebnis wird lauten „das wird nicht reichen“, so Prof. Thomas Heimer. am 04.Mai. Auf der Homepage des Expertenrats steht schon heute, d.h. am 13.05. eine erste Stellungnahme zum Entwurf:

Am 18. Mai wird dann der Prüfbericht veröffentlicht werden, der auch deshalb wichtig ist, weil Deutschland an die EU hohe Milliardensummen an Strafen wird zahlen müssen, wenn die Klimaziele verfehlt werden sollten:

Auffällig ist, dass er Erfolgsgeschichten mit evidenzbasierten Warnungen verbindet, und die Transformationsängste (siehe Prof. Kohlrausch oben) der Menschen auf die Klimafolgen lenkt, die uns in Zukunft bevorstehen. Angstumlenkung könnte man sagen, ist eine seiner Diskursstrategien:

„Die Klimaschäden, die entstehen können, wenn wir in Deutschland und weltweit die Klimaziele nicht einhalten, die werden gigantisch sein. Wenn der Golfstrom kippt, erwartet uns in Europa eine neue Eiszeitperiode. Die eigentliche Gefahr ist der Abriss des Golfstroms. Und vorher kann passieren, dass wir Ende des 21. Jahrhunderts im Rhein-Main-Gebiet Temperaturen wie im Süden von Algerien haben werden“, so Prof. Heimer. „Dazu mehr und mehr Extremwetterereignisse wie die Flutregenfälle in Valencia.“

Eine Erfolgsgeschichte, die Mut macht, ist für ihn die Umweltpolitik, die es in internationaler Zusammenarbeit geschafft hat, den Rhein zu entgiften:

„Früher war allen Eltern klar, dass Kinder nicht in den Rhein schwimmen gehen. Heute ist das anders, man kann im Rhein wieder schwimmen.“

Prof. Heimer setzt dazu auf Ermutigung, Innovation und Freiheitsgeschichten, wenn er in Vorträgen über Klimaschutz und Klimaerhitzung kommuniziert:

„Nicht nur in der AfD zweifelt man den menschengemachten Klimawandel an. Fakt ist aber: Es gibt ihn, wir müssen zeigen, dass sich Klima heute wegen der menschengemachten THG-Emissionen anders verändert als sonst!“

„Innovation ist wichtig: Wir können die Technologien entwickeln, die es ermöglichen, die Klimaerhitzung noch rechtzeitig zu bremsen! In der Entwicklung von klimaneutralen Treibstoffen aus Wasserstoff sind wir international führen.“

„Einem ehemaligen Richter habe ich mal gesagt: ‚Die Natur verhandelt nicht!‘ Er hat dann geantwortet: ‚Aber damit nehmen Sie den Menschen ja den Entscheidungsspielraum‘. Das ist aber falsch, denn die Folgen der Erderhitzung nehmen uns die Entscheidungsfreiheit.“

„Der Expertenrat für Klimafragen kann die Bundesregierung zwingen, Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen.“

„Alleine, dass es ein Klimaschutzgesetz gibt, ist ein großer Erfolg. Der Verkehrsminister Wissing hat uns gehasst. Und die Bundesregierung ist inzwischen von Klimaklagen umzingelt.“

„Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die Lebensfähigkeit der Kinder, die Sie unterrichte, in der Zukunft zu verbessern.“

Am Ende berichtete Prof. Heimer von neuen Entwicklungen bei dem Versuch, den Flugverkehr klimaneutral zu machen (siehe Foliensatz).

Berechnungen zeigen, dass klimaneutrales Kerosin kurzfristig 7x teurer werden wird, langfristig aber kann klimaneutrales Fliegen mit einer Verdreifachung der Flugenergiekosten auch von den jungen Generationen genutzt werden, um die Welt kennenzulernen.

Gespräche über Klimaschutz und Klimaschutzmaßnahmen dürfen Kindern nicht die Freiheiten nehmen. Denn Klimaschutz schützt die Freiheit der uns nachfolgenden Generationen.

Das Problem allerdings ist, so Prof. Heimer, dass zu viele in der Politik auf die synthetischen und biologisch erzeugten klimaneutralen Brennstoffe zugreifen wollen. Denn sind heute knapp und werden auch in Zukunft immer eine begrenzte und sehr teure Ressource sein.

Auf die Frage, warum es nach seiner Erfahrung so schwierig ist, die Verantwortlichen im System „Politik“ dazu zu bewegen, wirksame Klimaschutzmaßnahmenpakete auf den Weg zu bringen, antwortete Prof. Heimer:

„Regierungen optimieren die Gegenwart.“

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