Vom Reden zum Handeln: Schulen als Motoren der Klimawende, Friedberg, HBS, 10. Juni 2026

Friedberg, 10. Juni 2026

Vom Reden zum Handeln: Schulen können zu Motoren der Klimawende werden, wenn es gelingt, in Klimacheck-Rundgängen mit Schülerinnen und Schülern die Punkte zu identifizieren, an denen unsere Schulen modernisiert werden müssen, damit sie zu klimaneutralen Inseln der Zukunft werden.

Über 60 Lehrkräfte erarbeiten im klimadidaktischen Workshop „Klima-Check-Rundgänge an der Schule“ konkrete Maßnahmen für den Schulalltag und für Schulgebäude. Sie setzten damit auch einige Aspekte der Arbeit fort, die der Bürgerrat Klima 2021 bis 2022 unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler begonnen hatte (hier kommen Sie zum Gutachen des Bürgerrats Klima, in dem der Begriff „Gebäude“ 57x erwähnt wird: https://buergerrat-klima.de/downloadPdf/41).

Am Mittwoch, dem 10. Juni 2026, verwandelte sich die Henry-Benrath-Schule in Friedberg in ein Zentrum für zukunftsweisende Klimabildung. Im Rahmen eines Workshops des Studienseminars für Gymnasien Bad Vilbel trafen sich über 60 engagierte Lehrkräfte aus der Region. Ziel war es zu erarbeiten, wie Schulen aktiv zu mehr Klimaschutz und Klimaanpassung beitragen können. Veranstaltet wurde der Workshop vom Klimarat des Studienseminars in enger Kooperation mit der Ortsgruppe Friedberg / Wetterau-/Hochtaunuskreis der „Teachers For Future“.

Dr. Achim Schröder (Leiter des Studienseminars) und Peter Schäfer (Schulleiter der Henry-Benrath-Schule) begrüßten die Teilnehmenden.

Peter Schäfer (Foto: A.Schröder)

Als Gast brachte Christian Schubert, Leiter der Fachstelle Gebäudetechnik Schulen, die Perspektive der Kreisverwaltung ein und informierte über den Stand der klimatechnischen Modernisierungen im Wetteraukreis.

Mit mehr als 50 Teilnehmenden gelang es dem Klima-Rat des Studienseminars für Gymnasien Bad Vilbel, wieder eine der größten klimadidaktischen Veranstaltungen in der Bildungsregion WTK/HTK auf die Beine zu stellen. Der Klima-Rat arbeitet nach dem Vorbild des Bürgerrats-Klima, der 2021 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köher tagte (Bürgerrat Klima).

Den inhaltlichen Auftakt bildete der Vortrag „Auf dem Weg zu klimaneutralen Schulen“ von Michael Sach (Klimarat/Teachers For Future).

Er stellte den „Whole School Approach“ vor, der Unterricht, Schulgemeinschaft und das Schulgebäude gleichermaßen als Handlungsräume begreift. Sach betonte, dass der Fokus von rein individuellen Verhaltensänderungen auf strukturverändernde, kollektive Maßnahmen verschoben werden muss. Da Schulen als öffentliche Gebäude oft für mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs kommunaler Liegenschaften verantwortlich sind, besitzen sie eine enorme Hebelwirkung. Zudem tragen Jugendliche ihre Erfahrungen in die Familien und können so gesellschaftliche Transformationsprozesse auslösen.

Für die Klimacheck-Rundgänge braucht es keine lange Vorbereitung. Materialien stehen Lehrkräften zur Verfügung:

Hier der Link: https://www.greenpeace.de/bildungsmaterial/SfE_Handreichung_Klimaschutzmassnahmen_210416.pdf

Beim anschließenden praktischen Rundgang durch die Schule nahmen die Lehrkräfte, unterstützt von Schülern, die Infrastruktur kritisch unter die Lupe. Mängel und Potenziale wurden direkt sichtbar: ein asphaltierter Schulhof ohne Schatten, eine Holzpellets-Heizung ohne Wärmepumpen, unzureichender Hitzeschutz in den Klassen sowie ein riesiges, bislang ungenutztes Dachpotenzial für Photovoltaik.

Intensiver Austausch in den Arbeitsgruppen

Neugierig und motiviert durch die Eindrücke des Rundgangs vertieften die Lehrkräfte ihre Beobachtungen anschließend in Arbeitsgruppen.

In der ersten Gruppe widmeten sich Celia Beutler vom Klimarat und Barbara Reubold von der Georg-Büchner-Schule dem Hitzeschutz auf Schulhöfen; sie untersuchten Maßnahmen wie Baumpflanzungen, Fassadenbegrünung und Sonnensegel, um sommerliche Hitzeinseln abzumildern.

Das enorme Potenzial erneuerbarer Energien stand im Fokus bei Michael Sach und dem Experten Andreas Wöll. Sie diskutierten, wie Lernende geeignete Dachflächen für Photovoltaik ermitteln können und wie sich der Ausbau über Petitionen an den Schulträger vorantreiben lässt.

Mit dem Thema Energie und Wärme beschäftigten sich Stefan Ruppert sowie Nina Walter und Rebekka Hartmann vom Verein Umweltlernen Frankfurt. Sie entwickelten die Idee, Schüler künftig als „Energie-Detektive“ einzusetzen, um Verbräuche selbst zu messen, wobei die Umrüstung auf LED-Technik den Strombedarf bereits senken konnte.

Die Mobilität als großen CO2-Emittenten nahmen Belisa Meissner und Gabriel Schmitt von der Humboldt-Schule in den Blick. Ihr Ziel ist es, über datenbasierte Analysen von Schulwegen und Fernreisen klimafreundlichere Mobilitätskonzepte zu entwickeln.

Um die Auswirkungen unserer Ernährung ging es bei Michaela Schremmer von den „Teachers For Future“ und dem Koch Hugh Anderson. Die Gruppe erarbeitete Optionen, um den Anteil vegetarischer Gerichte in der Mensa zu erhöhen und Lebensmittelabfälle gezielt zu vermeiden.

Abgerundet wurde das Spektrum von Jill Zielke im Bereich Klimakommunikation. Hier lernten die Teilnehmenden, wie sich die Ergebnisse der schulischen Klimachecks über Social-Media-Kanäle wie TikTok oder Instagram digital sichtbar machen lassen, und entwarfen dafür direkt erste Skripte.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde ein KI-gestütztes Tool vorgestellt, das Schulklassen dabei hilft, fundierte Petitionen an Politik und Schulträger zu formulieren.

Das Fazit des Tages war eindeutig: Schulen sind ein unverzichtbarer Transformationsmotor, der Jugendliche befähigt, echten Wandel in Politik und Gesellschaft einzufordern.

Die Materialien finden Sie unter https://he.edumaps.de/114811/452064/mhclx4nz6x/un1jqxcb34

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