Warum hakt es mit der Klimapolitik? Und wie ließe sich die Blockade überwinden? Vortrag von Prof. Dennis Eversberg (03.11.2026)

Prof. Dennis Eversberg, Umweltsoziologe an der Goethe-Universität Frankfurt) hat mit einer Forschungsgruppe 2024 eine bemerkenswerte Studie vorgelegt.

In „Der neue sozial-ökologische Klassenkonflikt: Mentalitäts- und Interessengegensätze im Streit um Transformation“ legen Eversberg et.al. überzeugend dar, dass die gängige mediale Polarisierung

das wohlhabende, grüne / urbane / öko-soziale Milieu vergisst mit der moralisierenden Forderung nach mehr Klimaschutz Themen wie Lebenshaltungskosten und will die Lasten der Transformation den weniger Wohlhabenden auflasten

so nicht stimmt.

Durch eine an Pierre Bourdieus (1930-2002) Milieuforschung orientiertes Forschungssetting legen Eversberg offen, dass der Erfolg von Klimapolitik und die Transformationsbemühungen davon abhängig sind, wie die „konflikthafte Dreiecksbeziehung“ zwischen dem transformationsbereiten Öko-Sozialen Milieu, der Gruppe der Defensiv-Reaktiven und dem zahlenmäßig bedeutsamsten konservativ-[Wohlstands-]steigerungsorientierten Milieu politisch gestaltet wird.

Zu lange habe Politik versprochen, dass alle so weiter würden leben können wie bisher. Die multiplen Krisen, in die der fossile Kapitalismus geraten ist, mache diese Idee jedoch zu einer unerreichbaren Utopie.

Die Klimabewegung und die Klimapolitik müsse „raus aus der Sackgasse der Versprechungen“, so Eversberg. Man dürfe nicht länger die Kontinuität der heutigen Lebensweise in Aussicht stellen.

Stattdessen schlägt Eversberg vor (das Folgende ist sinngemäß aus dem ganz oben genannten Aufsatz Eversberg/Schmelzer 2025 entnommen), um …

zu ermöglichen:

  1. Mehr Lebensqualität für alle, v.a. für Benachteiligte: Die konflikthafte Beziehung der drei Milieus bremst z.Z. noch die notwendige Transformation. Die Blockade kann aber gelöst werden, wenn „sozial gerechte Klimapolitik ein Programm zur Verbesserung der Lebensqualität für viele Menschen“ vorlegt, „vor allem für sozial Benachteiligte“.
  2. Gerechte Förderung für alle: Förderungen werden so lange als ungerecht empfunden, so lange sie v.a. Autokäufer und Eigenheimbesitzer erhalten (E-Auto und Wärmepumpenförderung),
  3. Klimageld: Das von allen Parteien versprochene aber nie ausgezahlte Klimageld würde jedoch alle unterstützen, auch Menschen ohne Auto, die zur Miete wohnen.
  4. Reform der Schuldenbremse: Die Schuldenbremse blockiert Investitionen in den Ausbau einer fossilfreien öffentlichen Infrastruktur. Sie muss deshalb reformiert werden und der 500 Mrd. Infrastrukturfond muss konsequent für Transformationsprojekte verwendet werden.
  5. Einschränkungen für Reiche: Sehr Wohlhabende emittieren sehr viel mehr klimaschädliche THG als andere. Ihnen müssen Einschränkungen auferlegt werden (z.B. das Verbot von Privatjets, eine ökologische Sondersteuer und eine Vermögensabgabe zur Bewältigung außergewöhnlicher Krisen nch art 106 GG).
  6. Sozial-ökologische Infrastruktur: Klimapolitik muss sich zum Ziel setzen, eine „Fundamentalökonomie“ zu ermöglichen, d.h. Zugang für alle zu einer sozial-ökologischen Infrastruktur (= günstiger ÖPVN, günstiger Strom, günstiger Wohnraum).

Prof. Eversberg warnt vor einem Scheitern der Transformationsbemühungen:

Welche Tipps gibt Prof. Eversberg für Klimagespräche in der Schule?

In „Der neue sozial-ökologische Klassenkonflikt“(2024) findet sich wertvolle Hinweise:

  1. „Moralisierung ist in jedem Fall schädlich“(173).
  2. Über die Strategie „konkrete Verbesserung für viele durch effiziente Infrastruktur“ sprechen.
  3. Wenn das defensiv-reaktive Milieu und wenn auch andere verstehen, dass von einem „weiter so“ nur wenige profitieren, kann es ein Interesse an Transformation entwickeln.
  4. Aus der Thematisierung von Klimaschutz als etwas Negatives herauskommen, am besten durch das Sprechen über die Vorteile sozial-ökologischer Infrastrukturen (zdf-Interview s.u.).

Aus seinem Vortrag im Studienseminar ergaben sich die folgenden weiteren Perspektiven für gelingende Klimagespräche:

5. …
6. …

Wer weiterlesen will: Viele Veröffentlichungen und Beiträge von Prof. D. Eversberg sind frei zugänglich:

Hier ein ZDF-Interview von 2025: Klimaschutz: „Ressourcen nicht überlasten

Hier die Studie von 2024: Der neue sozial-ökologische Klassenkonflikt

Hier ein der Aufsatz von 2025: Von der Verteidigung zur Transformation der Lebensweise: Warum es mit der Klimapolitik hakt, und wie sich die Blockade überwinden ließe | Ökologisches Wirtschaften – Fachzeitschrift

Hier ein weitere lesenswerter Beitrag: Umkämpfte Klimapolitik: Wie aus Zustimmung Widerstand wurde – Zukunftsstandort Deutschland

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