Wie direktiv soll Klimabildung sein? Der 2. Klimadidaktik-Workshop mit Dr. Johanna Kranz (20. März 2024)

Der 2. Klimadidaktik-Worhshop unter Leitung von Dr. Johanna Kranz stand unter der Überschrift „Handlungsorientierte Klimadidaktik“ und verfolgte das Ziel, die teilnehmenden Lehrkräfte zu befähigen, in der Schule das „kollektive Engagement für Klimaschutz“ zum Thema zu machen.

Denn es geht darum, so Kranz in ihrer Power-Point-Präsentation, schnelles Handeln für Klimaschutz anzuleiten:

Zum ersten Mal nahmen auch externe Lehrkräfte am Workshop teil, die ihre Expertise und Fragen mit Gewinn für sich selbst und für die Referendare/innen einbringen konnten.

Für viele Teilnehmende war es bereits der 2. Workshop mit Johanna Kranz. Der Klimarat des Studienseminars war vollständig anwesend und arbeitete engagiert mit.

Nach einem kurzen Rückblick auf die Inhalte und das Ergebnis des 1. Klimadidaktik-Workshops leitete Johanna Kranz eine Reihe von Übungen an, die die Teilnehmenden zunächst dazu anregen konnten, ihre bisherigen Handlungsschritte im Handlungsfeld Klimadidaktik und Klimaschutz zu teilen und zu reflektieren:

Der Austausch war fruchtbar und machte deutlich, dass es weitere Anstrengungen braucht, um unsere Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrkräfte auf den Kurs des Pariser Klimaschutzabkommens zu bringen:

Mir ist nicht verständlich, wie Lernende am Ende der 10. Klasse immer noch so viel Wissenslücken in Bezug auf Klimawandel und Klimaschutz haben können.“

Ich bin in meiner Fachschaft noch die einzige, die sich ernsthaft um Klimadidaktik bemüht.“

Für Eltern bin ich die linksgründe Lehrkraft. Und das, obwohl ich nichts anderes tue, als wissenschaftsbasierte Urteilfähigkeit zu vermitteln.“

Oft denkt man, dass schon so viel über Klimawandel gearbeitet worden ist, dass die Schüler das Thema nicht mehr hören können, aber das stimmt nach meiner Erfahrung gar nicht.“

Ich bin immer wieder überrascht, dass es noch Menschen gibt, die den anthropogenen Klimawandel leugnen.“

Mein Schwager leugnet den Klimawandel auch. Dabei glaubte ich immer, dass es heute nur noch die Haltung ‚Es ist eh zu spät‘ und ‚Es sollen erst mal die anderen [=die Chinesen] anfangen‘ gäbe.“

Nach einem Theorie-Input zur Bedeutung des ökologischen Handabdrucks begann die zielgerichtete Weiterarbeit daran, die Klimaschutz- und Klimadidaktik-Expertise der Teilnehmenden sukzessive zu erweitern.

Was nahmen die Teilnehmenden mit?

Weil der private Konsum nur für einen geringen Anteil der Emissionen verantwortlich ist, braucht es eine politische Klimabildung, die politische Regulationswerkzeuge zum Thema macht:

Besonders wirksam ist das Sprechen über Handlungen im öffentlichen Raum:

Und die wirksamstes Maßnahme ist das kollektive politische Engagement:

Wenn man sich die Ergebnisse empirischer Studien zu Klimadidaktik anschaut (Dr.J.Kranz hat an einer solchen Metastudie mitgearbeitet und über 70 Wirkungsstudien erfasst und ausgewertet), wurden bislang aber leider gerade die wirksamsten Maßnahmen, d.h. die staatlichen Regulation (das Verbot von Autos mit Verbrennermotoren, die Pflicht zum Einbau co2-neutraler Heizungen bei unmöglicher Reparatur der alten fossilen Heizungsanlagen, die Energiewende durch den schnellen Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger usw.) der CO2-Emissionen nur ganz selten zum Thema:

Auf die Frage, wie unpolitisch Klimabildung bislang war, ist die Antwort eindeutig. Sie lautet: Sie war bislang zu unpolitisch:

Dieser ernüchternden Perspektive auf die Vergangenheit stellt Johanne Kranz eine ermutigende Perspektive entgegen: Das Konzept der Human Agency im Kontext der Klimakrise.

Wenn es uns als Lehrkräften gelingen kann, Selbstwirksamkeitserfahrungen im Bereich kollektiv-strategischer politischer Handlungen zu machen, ist eine Klimabildung möglich, die sich nicht auf die wenig wirksamen individuellen Alltagshandlungen beschränkt:

Welche Arbeitsmethoden und Lehrinhalte hier für notwendig sind, zeigt Johanna Kranz auf zwei Folien:

Im Austausch wird deutlich, dass diese Arbeitsformen zwar schwierig umzusetzen, aber durchaus möglich und erfolgsversprechend sind.

Oft braucht es nur klare Handlungsanweisungen und Aufgabenstellungen, um Schülerinnen und Schüler dazu zu bringen, kollektiv aktiv zu werden.

Eine teilnehmende Lehrkraft berichtet:

„Wenn man nicht nur abstrakt einfordert, mit Freunden und Verwandten zu diskutieren, sondern dazu auffordert, „Befragt Freunde und Verwandte, notiert die anonymisierten (!) Antworten und bringt sie mit, um sie im Unterricht auszuwerten„, kann durchaus gelingen, das Lernende über kollektives Handeln Selbstwirksamkeitserfahrungen machen.“

„Auch Wandzeitungen in Schulfluren und Gespräche mit Mitschülerinnen in der Pause über das, was dort notiert ist, kann als kollektives Handeln hoch wirksam sein.“

Wenn Johanna Kranz fragen, wie direktiv Klimabildung sein darf, verweist sie auf den Beutelsbacher Konsens und das Überwältigungsverbot. Und sie stellt verschiedene direktive und legitime Erziehungsprogramme vor, die in der Vergangenheit erfolgreich waren und auch von den Schulen mitgetragen worden sind. An ihnen sollte sich Klimabildung orientieren, weil sie nicht überwältigen, sondern wissenschaftsfundiert das einfordern, worüber unbestreitbar ein wissenschaftlicher Konsens besteht:

Letztlich gehe es didaktisch um eine konsequente Schüler*innenorientierung:

Mit zwei Übungen bahnte sich im Workshop an, dass die Teilnehmenden ihre Klimaschutzexpertise erweitern:

Wenn gilt, dass nicht individuelle Maßnahmen zur Veränderung des eigenen Lebensstils, sondern der ökologische Handabdruck, d.h. Maßnahmen, die auf das Handeln anderer Zielen, der wirklich wirksame Hebel ist, dann müssen wir als Lehrkräfte für uns klären, was Hebel eigentlich sind und welche konkreten Hebel uns zur Verfügung stehen.

In einer ersten Übung klärten die Teilnehmenden, wie sie die Hebel-Metapher deuten:

Hebel vergrößern meine Kraft. (Hebelgesetz!)“

Mit Hebeln wirke ich auf Orte ein, die weiter entfernt sind.“

Auf Hebel wirke ich mit meiner Hand ein, und vergrößere so meinen Handabdruck.“

In einer zweiten Übung visualisierten die Teilnehmenden das Netzwerk, auf das sie zurückgreifen können, um auch kollektiv handelnd den eigenen Handabdruck zu vergrößern:

Alle zeichneten die Umrisse ihrer eigenen Hand auf ein DINA3-Blatt und notierten ihr Netzwerk, ihre Rolle und Nachhaltigkeitsdefizite, auf die sie mit Hilfe des visualisierten Netzwerks Einfluss nehmen können.

„Vergrößert euren gesellschaftlichen Handabdruck!“ Diese Devise des Handabdruckposters von GERMANWATCH war auch die Devise des 2. Klimadidaktik-Workshops.

https://www.germanwatch.org/sites/default/files/handabdruckposter.pdf

Im 3. Workshop, der im Herbst 2024 stattfinden wird, soll ein weiter konkretisierter Austausch darüber stattfinden, welche Nachhaltigkeitsdefizite die Teilnehmenden ganz konkret vor Augen haben und wie sie bestehende Netzwerke erweitern und im Sinne einer Handabdruckvergrößerung nutzen können.

Auch der 3. Workshop wird für externe Kolleginnen und Kollegen offen sein. Vielleicht gelingt es uns, den Kreis der Teilnehmenden auszuweiten, indem wir alle Schulen dafür gewinnen, Klimaschutzbeauftrage zu benennen. Darüber hinaus werden wir versuchen, Möglichkeiten der Online-Teilnahme zu schaffen.

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