Bericht vom Mai 2023

Im Mai 2023 hielt Christoph Schrader den Expertenvortrag zur Klärung der von der Sache Klimaschutz aufgeworfenen Fragen.

Schrader referierte zum Thema „Wie kommen wir vom Wissen zum Handeln?“ Die folgenden Hinweise waren von hohem Interesse:

Erstens: In ganz Europa befürworten Mehrheiten staatliche Eingriffe, um das Klima-Verhalten der Bürger:innen zu lenken. Wir unterschätzen diese Bereitschaft der anderen.

Zweiten: Die Anderen sind keine homogene Gruppe an Menschen, sondern sie sind in ca. 6 unterschiedliche Gruppen geteilt, mit denen jeweils anders kommuniziert werden muss: Die Involvierten: Bürgersinn, Miteinander, Errungenschaften verteidigen, Die Offenen: Weltoffenheit, Selbstentfaltung, kritisches Denken, Die Pragmatischen: Erfolg, privates Fortkommen, eher Kontrolle als Vertrauen, Die Etablierten: Zufriedenheit, Verlässlichkeit, gesellschaftlicher Friede, Die Wütenden: Misstrauen, Systemschelte, nationale Ordnung, Die Enttäuschten: Gerechtigkeit, (fehlendes) Vertrauen, (verlorene) Gemeinschaft.


Mit allen sechs etwas gleich starken Milieus könne man grundsätzlich klimadidaktisch sprechen. Man müsse jedoch berücksichtigen, welche Denkweisen bei ihnen vorherrschen, an die anzuknüpfen wäre. Den Pragmatischen müsse man z.B. sagen, dass Klimaschutz eine Reihe von Vorteilen bringe und den Wütenden, dass Reiche und Mächte ihren Beitrag leisten müssten usw.

Drittens: positive Emitionen sind nützlich und sollten gefördert werden:

Viertens: In der erfolgreichen Klimaschutz-Kommunikation gelten die folgenden Richtlinien.

– Distanz verringern (= auf die jetzt spürbaren Folgen und das jetzt Machbare vor Ort verweisen und nicht auf das, was fernab passiert),
– einfache Geschichten erzählen (z.B. Erfolgsgeschichten),
sich zielgruppenspezifisch auf „Werte“ beziehen (z.B. „Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit, Gesundheit, Ehrgeiz, Zugehörigkeit“ usw.),
– Vorteile von Klimaschutz hervorheben (z.B. „Weniger Fleisch essen und mehr Radfahren ist gesund!“),
– Aussagen positiv zu framen (d.h. mit weiteren, Sinn gebenden Bedeutungen zu versehen) und es müssen
– SMARTe Ziele verfolgt werden, d.h. spezifische, messbare, ausführbare, relevante und terminierbare.

Kurz gesagt: Es gelte in der Kommunikation über Klimaschutz, Lösungen und Ansätze zu präsentieren, die das Selbstwirksamkeitsempfinden steigern. Dies könnte gelingen, indem man auf Inseln der Zukunft in der Gegenwart verweise! „Es gibt eine große Anzahl von Vorschlägen: Technologie & Innovation, Politische Instrumente, zB CO2-Steuer, Tempolimit, Engagement (Lokalpolitik, NGOs), Reparaturcafés, Lastenräder, Vorschläge bei Leopoldina, oder German Zero.“

Die Bestimmung des eigenen ökologischen Fußabdrucks müsse letztlich ergänzt werden durch die Bestimmung des eigenen Handabdrucks: „Wie viel trage ich durch mein Engagement dazu bei, dass andere ihren Fußabdruck verringern können?“

Für Klimadidaktische Überlegungen von jungen Lehrkräften verweist Schrader auf die Kampagne im englischsprachigen Handlungsraum und die dort vielfältig geführte Diskussion um die Perspektive, Kinder zu befähigen, die Sichtweise ihre Eltern zum Thema „Wie kann Klimaschutz gelingen?“ zu verändern: https://www.popsci.com/kids-change-parents-minds-climate/

Schrader empfiehlt, nicht alles Klimadidaktische neu zu erfinden. Es gebe bewährtes und gutes Material, z.B. zur Analyse von Desinformation zum Klimaschutz: https://www.klimafakten.de/meldung/p-l-u-r-v-dies-sind-die-haeufigsten-desinformations-tricks-von-wissenschafts-leugnern und das Online-Quiz „Nicht ich, nicht jetzt, zu spät!“ -> https://www.klimafakten.de/meldung/poster-spiel-nicht-ich-nicht-jetzt-nicht-so-zu-spaet-mit-welchen-saetzen-klimaschutz

Kinder müssten in der Schule lernen, wiederkehrende Muster der Klimaschutzbremsung (die an die Stelle der Klimawandelleugnung getreten sei) zu erkennen und zu entkräften: Es gebe fünf wiederkehrende Muster: Pseudo-Experten, Logik-Fehler, Unerfüllbare Erwartungen, Rosinen-Pickerei und Verschwörungs-Mythen (vgl. hierzu der erste Link oben zu Klimafakten).

In den anschließenden Übungen war zu erkennen, dass die Teilnehmenden Werte in ihre Unterrichtsimpulse einzubauen versucht haben.

Für die Weiterarbeit an unserem klimaschutzdidaktischen Projekt ergab sich aus Sicht des Durchführungsteams die Perspektive, einige der hilfreichen Impulse aus Schraders Vortrag in eine Materialsammlung einzubauen. So könnte gelingen, im November 2023 mit der Übung „Führen Sie ein Klassengespräch zum Einstieg in die Thematik *Klimaschutz: Habt ihr es in der Hand?*“ die Zielperspektive eines solchen Gesprächs zu stärken.

Es soll abschließend noch einmal auf die hervorragende Veröffentlichung von Christoph Schrader hingewiesen werden: Sein Handbuch Klimakommunikation ist eine wertvolle Fundgrube für alle, die Unterrichtsmaterial und sonstige Anregungen suchen: https://klimakommunikation.klimafakten.de/showtime/kapitel-10-zeige-handlungsoptionen-und-loesungen-auf/#wasbringtwas

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